In Asien gibt es eine ganze Reihe günstiger großer MPVs und Vans, die teilweise schon ab etwa 20.000–35.000 Euro angeboten werden. Für deutsche Familien sind diese Modelle vor allem als Markt-Signal interessant. Sie zeigen, was technisch und preislich möglich ist, wenn man konsequent auf Kosten optimiert.
Die Modelle im Überblick
FAW Bestune NATEin kompakter Elektro-Van mit Fokus auf einen sehr niedrigen Preis. Er bietet:
- 120 kW Leistung
- 54,8 kWh LFP-Batterie
- 401–425 km Reichweite
- ca. 12,8 kWh/100 km Verbrauch
- 140 km/h Höchstgeschwindigkeit
- eine elektrische Schiebetür auf der rechten Seite
- ISOFIX, ABS, ESP
- Android-Infotainment mit 10-Zoll-Bildschirm
- Einstiegspreis um die 21.000 Euro
Der NAT hat offiziell fünf Sitze, wird aber teilweise als 7-Sitzer vermarktet. Er ist eher für gewerbliche Nutzung oder als günstiges Zweitfahrzeug gedacht.
JAC Refine E4Ein größerer Elektro-Van mit bis zu acht Sitzen und einer Reichweite von über 510 km (nach chinesischer Norm). Er positioniert sich als günstige Alternative zu etablierten Modellen und bietet mehr Platz als der Bestune NAT.
BAW EM7
Ein weiteres preisaggressives Elektro-Modell mit einer Reichweite von rund 450 km. Der Einstiegspreis soll unter 30.000 Euro liegen. Das Modell richtet sich an Nutzer, die ein einfaches, funktionales Raumfahrzeug suchen.
Nutzt die Blade-Batterie-Technologie von BYD und bietet eine Reichweite von bis zu 500 km. Der eMax 7 ist von allen Modellen in dieser Liste langfristig am interessantesten, weil BYD bereits eine starke Präsenz in Europa aufbaut und über eigene Vertriebsstrukturen verfügt.
Wuling Starlight 730
Eines der günstigsten Modelle im Segment (teilweise unter 25.000 Euro). Es bietet viele Sitze und einfache Technik, spart jedoch bei Verarbeitung, Komfort und Ausstattung deutlich ein.
Was diese Modelle realistisch bieten
Diese Fahrzeuge machen deutlich, dass große Familienautos nicht zwangsläufig teuer sein müssen. Gleichzeitig zeigen sie die typischen Kompromisse eines reinen Budget-Ansatzes:
- Die Reichweitenangaben sind meist nach chinesischer CLTC-Norm und fallen in der Realität spürbar niedriger aus.
- Die dritte Reihe ist bei den meisten Modellen eher für Kinder oder kürzere Strecken geeignet.
- Verarbeitung, Geräuschdämmung und Langzeitqualität liegen meist deutlich unter europäischem Niveau.
- Service, Ersatzteile und Sicherheitsstandards sind in Deutschland derzeit ein großes Risiko.
Entwicklung in Europa
Gleichzeitig darf man die Dynamik chinesischer Hersteller in Europa nicht unterschätzen. BYD hat bereits eine starke Markstellung aufgebaut und verkauft in mehreren europäischen Ländern erfolgreich. Andere Marken wie MG, Nio oder XPeng sind ebenfalls auf dem Vormarsch. Es ist daher durchaus möglich, dass einige der hier genannten Konzepte in den nächsten Jahren – zumindest in angepasster Form – auch in Deutschland verfügbar werden.
Fazit
Die günstigen 7- bis 9-Sitzer aus Asien sind derzeit noch keine realistische Kaufoption für die meisten deutschen Familien. Sie sind aber ein wichtiges Signal: Große Familienautos müssen nicht teuer sein. Wer sich für diese Entwicklung interessiert, sollte vor allem die Aktivitäten von BYD und vergleichbaren Herstellern in Europa genau beobachten. Die Wahrscheinlichkeit, dass einige dieser Modelle oder ihre Nachfolger mittelfristig auch hierzulande angeboten werden, ist nicht gering.